Make your own free website on Tripod.com

Farbwelten

"Gleich einem Duft und Klang, ob stark oder schwach, übergeht die Farbe den Verstand und richtet sich unmittelbar an unsere Gefühle"

Ein warmes Gelb läßt die Stimmung eines heiteren, sonnig wärmenden Lichtraumes aufkommen und den Raum größer , weiter und strahlender erscheinen. Beim Betrachten eines dunklen Blau entsteht eher das Gefühl der Tiefe, Ferne, der Sehnsucht nach dem Ungeahnten, des unendlichen Raumes, vielleicht sogar der Bedrohung. So wie Farben Einfluß nehmen auf die Wahrnehmung und innere Welt des Betrachters, bieten sie mir als Malerin die phantastische Möglichkeit starke eigene seelische Erlebnisse über die lebendige Farbensprache umzusetzen. In der Konzentration auf eine innere "Motivwelt" kann jede tiefere Erfahrung des Lebens Anlaß und Ausdruck einer emotionalen Energie sein, sei es Liebe, Tod, Freude, Schmerz, Trennung, Einssein mit der Natur, ein neues Weltbild. Die Klänge der Seele spiegeln sich im Bild als Farbklänge wider oder anders gesagt, die Farbe wird Träger von inneren Gefühlen und Stimmungen und ist somit nicht austauschbar. Wichtig ist es mir dabei die innere Erlebniswelt möglichst unverfälscht und spontan zum Ausdruck zu bringen, die emotionalen Energien zu erhalten und sie nicht in die Grenzen rationaler Vorstellungen und Vorplanungen zu sperren. So sind gerade die Temperabilder relativ schnell gemalt um das Erhalten eines Gefühls zu gewährleisten und mit der Malgestik zusammen als Ganzheit zu erfahren. Aspekte des Lebens wie Pulsieren, Fließen, Wachsen, Rhythmus, Bewegung usw. finden Ausdruck im bewegten Malduktus, den kreisend fließenden Strukturen und der Offenheit für Neues während des Entstehens. Dem Erhalt der Lebendigkeit fällt dabei sowohl die technisch genaue Ausarbeitung als auch detaillierte Ausformung zum Opfer. Die Verwendung starker Kontraste, sei es Warm-Kalt, Hell-Dunkel oder Komplementärkontrast dramatisiert die Wirkung der Farben noch einmal und bringt sie in einen lautstarken Dialog. Die Farbflecken bilden einen lebendigen Organismus auf der Fläche, knüpfen Beziehungen, erzeugen Spannungen, benehmen sich wie Menschen... möchte man fast sagen. Sie dennoch in Zusammenklang zu bringen ist der eigentliche Akt des Malens, in dem nicht Zufall, sondern Intuition zusammen mit Reflexion und Erfahrung ihren Stellenwert einnehmen. In den großformatigen Ölbildern ist diese Spontaneität des Malaktes weniger wirksam. Die Bilder wirken stärker bedacht und komponiert. Harte Kontraste schaffen Formabgrenzungen, es entstehen Farbräume und ab und zu angedeutete Plastizität, Der Aufbau der Komposition spielt eine größere Rolle für die Verteilung der Farben. Der autonome Gebrauch der Farbe findet seine Entsprechung in den einfachen, fast geometrisch strengen Formen, bei denen besonders die vielen Variationen des Kreises auffallen. In vielen Ölbildern wird die Beziehung zur Natur sichtbar, Chiffren wie Knospen, Blühen, Wachsten finden Einzug ohne jeden illusionistischen Anspruch von Gegenständlichkeit oder ein Versenken in Details. Wie in kreativen Prozessen üblich sind auch meine Bilder nicht allein aus freudiger Harmonie heraus geboren. Das starke Erleben und Durchleben konträrer menschlicher Gefühle, der Kampf polarer Töne, das verlorene Gleichgewicht, die Ruhelosigkeit, das Ahnen eines Glücks usw., alles gehört dazu. Der französische Maler Odilon Redon hat sehr wesenhaft ausgedrückt, worin er die Botschaft eines Kunstwerkes beschreibt, das über das reine Virtuosentum hinausgeht:: "Damit uns ein Kunstwerk anzieht und berührt, muß man ein seelisches und geistiges Bedürfnis darin ahnen können, einen unerklärlichen und tief empfundenen Mangel, dessen Ursache im Daseinsschmerz liegt, den der Künstler im Schöpfungsakt auszugleichen sucht"..

Collagen

Verbindung von Schere und Leimtopf zu Selbstzwecken

Die Leidenschaft für das Sammeln und die Freude spielerisch mit Dingen und Objekten umzugehen führten mich Ende der siebziger Jahre zum Abenteuer Collage. Ich entdeckte, daß hier ebenso wie in der Malerei ein direkter Weg zur Entstehung subjektiver Bildwelten führt. Aus einer großen Auswahl ausgeschnittener Realitätsfragmente werden neue Szenerien komponiert. Die fotografischen Teile erfahren durch ständiges Verändern und Auswechseln der Umgebung neue Sinnzusammenhänge, denen viele Deutungsmöglichkeiten innewohnen. Abstrakte und reale Bildelemente werden kombiniert,das Porträt paart sich mit der Jugendstiltapete, das geblümte Geschenkpapier bildet die Kulisse für Josefine Baker.Üppiges, Verspieltes,Nostalgisches,aber auch Kritisches wird zusammengetragen und verfremdend kombiniert. Anklänge an alter Zeiten werden sichtbar,unbewußt tauchen immer wieder Inhalte auf, die tief in einem selbst verwurzelt sind und autobiografischen Charakter haben Im Laufe der Entwicklung meiner Collagetechnik bearbeitete ich die Collagen immer mehr durch Übermalen, Brennen, Einwachsen und ersetzte die fotografischen Teile mehr und mehr durch Materialien um einer zu großen inhaltlichen Festlegung zu entgehen.

Materialcollagen

Das Wesen meiner Materialcollagen wird bestimmt durch den experimentellen, spielerischen und spontanen Umgang mit Gefundenem. Wirklichkeitsfragmente treten neue Beziehungen ein, sie werden wie Stilleben auf der Fläche komponiert: Oft sind sie mit dem ästhetischen Wert des "Wertlosen" behaftet, eine morbide, zerfallende, schon verrottete Realität, in der die Dinge ihren Glanz verloren haben. Rinde, Hölzer, Stoffe, Schafshaare, Fischernetze, Spielzeug, zerquetschte Büchsen, Strandgut, von Wind und Wetter zerzaust, von überallher zusammengetragen. Erinnerungen, Freude am Sammeln, Entstehenlassen, Ausprobieren, Kombinieren, Verwandeln, Bereicherungen der Phantasie und des Tastsinnes. Die Gegenstände erzählen ihre Geschichten schon durch ihr Alter, manche gewinnen dabei magische Werte und übersteigen die Bedeutung des Alltäglichen und Funktionalen.